Unterordnung - Ordnung mit Freude

Hasenhirsch Bambi apportiert mit Begeisterung

Das Wort Unterordnung ruft in vielen Menschen das Bild einer geduckt neben seinem Herrn herschleichenden Kreatur ins Gedächtnis, allzeit unsicher und auf dem Sprung einer Strafe auszuweichen. In den letzten zehn Jahren hat sich dieses Bild dank eines Einstellungswandels zum Hund grundlegend geändert.  Gewalt beginnt, wo Wissen endet erklärt Angela White, die englische Vorreiterin der gewaltlosen Hundeausbildung. Die Ausbildung zu einem freudig gehorchenden Hund ist heute das Ziel.

Als erklärendes Beispiel soll hier das Lernen des Kommandos Sitz dienen:
Ohne ein Wort zu sprechen, hebt der Hundebesitzer eine Belohnung über den Kopf des Hundes. Der Hund wird alles ausprobieren, um an das Leckerli zu kommen (z.B: Hochspringen, Männlein machen, Bellen, usw). Irgendwann wird er sich hinsetzen, um die Beute in Ruhe beobachten zu können. Wird der Hund jetzt sofort belohnt, verbindet er seine Bewegung des Hinsetzens mit dem Bild der hochgestreckten Belohnung. Dadurch bilden die Gehirnnerven Verbindungen zwischen dem motorischen Nervensystem, das für die Bewegung des Hinsetzens verantwortlich ist und dem sensorischen Nervensystem, das die Informationen der Augen verarbeitet. Anschließend wird zusätzlich ein Wortkommando eingeführt. Während der Hund sich hinsetzt, wird das Kommando Sitz ausgesprochen.

Estive setzt sich auf Kommando ab...

...und verharrt in dieser Position, bis Frauchen wieder zurückkommt.

Nun verbindet der Hund das akustische Signal mit der Bewegung. Diese Vorgehensweise lässt sich mit etwas Phantasie auf jedes beliebiges Kommando übertragen. Für das Kommando Platz wird beispielsweise das Motivationsobjekt in der verschlossenen Hand auf den Boden gehalten, bis sich der Hund hinlegt. Die Bewegung des Hinlegens wird später mit dem akustischen Signal Platz verknüpft.

Beim Kommando Platz legt sich Estive ab und bleibt regungslos bis sie abgeholt oder gerufen wird.

Bei Frauchen angekommen setzt sie sich nah und gerade vor. Anschließend geht Estive wieder in die Fußposition.

Beim Kommando Fuß kann die Belohnung während des Gehens in der verschlossenen linken Hand auf Hüfthöhe gehalten werden. Um möglichst nah bei der Belohnung zu bleiben, läuft der Hund automatisch in der korrekten Fußposition. Sobald die Position des Hundes korrekt ist, wird sie mit dem Signalwort Fuß belegt.

Estive läuft sehr korrekt und konzentiert in der Fußposition. Geradeaus, Linkswende, Rechtswende und Kehrtwende sowie das Durchqueren einer Menschengruppe werden geprüft.

Sinnesreize können Veränderungen im Gehirn bewirken, sobald eine bestimmte Motivationsschwelle überschritten wird. Im Körper werden Stoffe gebildet, die die Bewegungsrichtung der Nervenenden lenken und bereits gebildete Bahnen ausbauen können. Der Aktivierungsgrad erreicht in Zuständen gespannter Aufmerksamkeit sein Maximum und sinkt mit zunehmender Schlaftiefe ab und (W. SINGER). Aus diesem Grund sind mit einem hoch motivierten Hund die besten Fortschritte zu erzielen. Wird die Übung mehrmals wiederholt,  zeigt der Hund das gewünschte Verhalten immer schneller, denn das Gehirn benutzt bevorzugt bereits gebahnte Verbindungen und verstärkt diese bei Wiederholung weiter. Allerdings halten einmal gelernte Übungen nicht ein Hundleben lang. Der Körper baut unbenutzte Gehirnverbindungen wieder ab, um Energie und Baumaterial zu sparen. Also ist eine regelmäßige Wiederholung der Übungen ratsam. Hemmend wirkt sich Stress und Angst auf das Lernverhalten aus.
Das Ziel aller Mühen kann ein freudig gehorchender Hund und sogar eine Prüfung sein. Die einfachste Form der international anerkannten Unterordnungsprüfungen ist die Begleithundeprüfung. Bei den darauf aufbauenden Gebrauchshundeprüfungen wird zusätzlich das Stehenbleiben des Hundes aus der Bewegung und das Vorauslaufen geprüft. Das Apportieren nimmt den höchsten Stellenwert ein.

Estive liebt die Stehübung, denn gleich fliegt ihr der Ball zur Belohnung in's Maul.



Bö hat einen starken Beutetrieb. Sie trägt auch den zwei Kilogramm schweren Apportierblock.

Hasenhirsch Anja schwebt über die Meterhürde

Hasenhirsch Bambi apportiert mit Leichtigkeit über die 1,80 Meter hohe Schrägwand

Viele Wege führen nach Rom und dem Ideenreichtum bei der Ausbildung sollen keine Grenzen gesetzt werden, solange der Hund Freude daran hat. Es ist höchste Zeit, dass veraltete und eingefahrene Ausbildungsmethoden in Frage gestellt oder neu überdacht werden.

Dipl. Biologin Kristin Oberhauser

Hörzhausen den 02.09.2005; Alle Rechte vorbehalten © Kristin Oberhauser

 

Videos:

Training:

Estive (4 Jahre) führt das Schema der Begleithundeprüfung vor

BH/VT:

Bambi (18 Monate) BH/VT am 06.09.2015 (Richter: Gerd Biberger)

Bazi (18 Monate) BH-VT am 06.09.2015 (Richter: Gerd Biberger)

IPO1:

Bambi (2 Jahre) IPO1 Abteilung B am 24.04.2016 (Richter: Johann Grübl)

Anja (2,5 Jahre) IPO1 Abteilung B am 06.09.2015 (Richter: Gerd Biberger)

Moses (21 Monate) IPO1 Abteilung B am 30.11.2014 (Richter: Christine Mauermeier)

IPO2:

Bambi IPO2 Abt.B Unterordnung - die Hundeführer des Thailändischen Königs Maha Vajiralongkorn stehen in der Gruppe für uns stramm (3 Jahre)

Bazi (2 Jahre) IPO2 Abteilung B am 24.04.2016 (Richter: Johann Grübl)

Moses (2 Jahre) IPO2 Abteilung B am 17.05.2015 (Richter: Johann Grübl)

IPO3:

Moses (4 Jahre) Belgische Bouvier Meisterschaft 2017 Abteilung B / Unterordnung, 95 Punkte

Bazi IPO3 Abt.B (2,5 Jahre)

Moses (3 Jahre) Belgische Bouvier-Meisterschaft IPO3 Abteilung B am 22.05.2016 (Richter: Guido Quinten)

Moses (2,5 Jahre) IPO3 Abteilung B am 06.09.2015 (Richter: Gerd Biberger)

Bö (8,5 Jahre) 10.Bouvier-Weltmeisterschaft IPO3 Abteilung B am 1./2.11.2014 (Richter: Frédéric Clémens)

Bö (8,5 Jahre) CMBF-Meisterschaft IPO3 Abteilung B am 19./20.09.2014 (Richter: Frédéric Clémens)

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